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Essstörungen

Schmetterlinge und Nachtfalter - 
achtsamkeitsbasierte Ernährungstherapie
bei Essstörungen*

Die Behandlung von Essstörungen ist langwierig, ein Klinikaufenthalt oft der einzige Weg raus dem zerstörerischen Kreislauf. Zur Vorbeugung eines Klinikaufenthaltes, zur Begleitung einer Psychotherapie und/oder zur Stabilisierung nach einer stationären Behandlung bieten wir eine Betreuung im Bereich Ernährung. Durch die achtsamkeitsbasierte Ernährungstherapie lernen Sie, wieder "normal" zu essen. Sie lernen, nach Hunger und Sättigung zu essen, Ihr Essverhalten zunehmend flexibler zu gestalten und dafür wieder Eigenverantwortung zu übernehmen. Sie lernen die Integration und den regelmäßigen Verzehr "verbotener" Lebensmittel ("Schwarze Liste"), den Umgang mit Ängsten, Essanfällen und Purging-Verhalten. Und das Wichtigste: Sie lernen, das Essen wieder richtig zu genießen!

*Die achtsamkeitsbasierte Ernährungstherapie für Essstörungen wurde 2011 am
Centrum für Psychosomatische Erkrankungen Klinik Dr. Schlemmer in Bad Tölz entwickelt und erprobt
und wird seitdem auch ambulant zur Betreuung von Patienten mit Essstörungen angewandt.

Wir bieten Ihnen:

  • Individuelle Ernährungsberatung für Einzelpersonen
  • Beratung in Kleingruppen
  • Workshops*
  • Betreuung per Internet
  • Forum zum Austausch mit Gleichgesinnten 

(*Beim Workshop machen wir Rollenspiele, Genusstraining, Motivationsübungen mit flexibler Kontrolle und Phantasiereisen. 
Wir entwickeln Skills und Tipps gegen Rückfälle und üben den Umgang mit Heißhungeranfällen und (Nicht-) Essgelüsten.)

Ziele:

  • Erlernen eines gesunden Ernährungsverhaltens
  • Den Wert von Essen als regelmäßigen Energiespender und Erhalt der Leistungsfähigkeit schätzen lernen
  • Normale Portionsgrößen kennen
  • Lernen, nach Hunger und Sättigung zu essen
  • Erlernen von Essen mit Lust und Freude
  • Essen als Genussmittel erleben
  • Umgang mit "verbotenen" Lebensmitteln (schwarze Liste)
  • Umgang mit auslösenden Situationen
  • Umgang mit Ängsten
  • Normalisierung des Stoffwechsels
  • Umgang mit fremden und vertrauten Lebensmitteln
  • Zubereiten einfacher, vollwertiger und schmackhafter Gerichte
  • Förderung der Nachhaltigkeit

Inhalte der achtsamkeitsbasierten Ernährungstherapie bei Essstörungen

Folgende Themen werden behandelt:

1.      Normalisierung des Gewichts

1.1.   Zielvereinbarung

Gemeinsam mit Ihnen und gegebenenfalls in Absprache mit Ihrem Therapeuten werden - unter Berücksichtigung eigener Vorstellungen - die Ernährungsziele, der Umgang mit Rückfällen und Purging-Verhalten vereinbart und der Verlauf der Ernährungstherapie geplant. Wichtig: Motivationsförderung!

1.2.   Verlaufskontrolle

Das Gewicht wird regelmäßig durch - vorzugsweise blindes - Wiegen kontrolliert und dokumentiert.

2.     Normalisierung des Essverhaltens

2.1.  Förderung einer angemessenen Einstellung gegenüber der Ernährung

2.2.  Ernährungstagebücher

Das Ernährungstagebuch ist das wichtigste Hilfsmittel zur Selbstbeobachtung, um das eigene Ernährungsverhalten kennen zu lernen und die individuellen Ernährungsbedürfnisse zu erkennen.

2.3.  Individueller Ess- und Trinkplan

Nach Auswerten der Ernährungstagebücher wird gemeinsam mit Ihnen - unter Berücksichtigung Ihrer eigenen Vorstellungen - ein individueller Ess- und Trinkplan erarbeitet, der auch langfristig umsetzbar ist. Grundlage: Zufuhrempfehlungen der DGE, keine Kalorienangaben, Anpassen der Essmengen und Portionsgrößen an Ihren individuellen Bedarf und Energieverbrauch, Berücksichtigung von Mangelerscheinungen. Kontrollieren und Anpassen.

2.4.  Mahlzeitenstruktur und -häufigkeit

Eine geregelte Mahlzeitenstruktur ist wichtig, um ein "normales" Ernährungsverhalten zu erlernen, um Essen als Spender wertvoller Energie wieder zu entdecken und den Stoffwechsel zu normalisieren. Aufbau einer geregelten Mahlzeitenstruktur, die individuell an Ihren Bedarf und Ihre Möglichkeiten angepasst wird. Berücksichtigen, wie viele Mahlzeiten individuell sinnvoll und machbar sind.

3.    Ernährungsberatung

Achtsamkeitsbasierte, klientenzentrierte individuelle Ernährungs- und Gruppenberatungen.

3.1. Ernährungsverhalten

Patienten mit Essstörungen beschäftigen sich in der Regel intensiv mit ihrer Ernährung und entwickeln konkrete Vorstellungen von dem, was sie für gesund, bzw. gewichts-erhaltend oder -reduzierend halten. Dabei entstehen häufig abenteuerliche Vorstellungen über gesunde Ernährung, bzw. so genannte "Ernährungsmythen" wie: "Von Ananas (Wassermelone, hart gekochte Eier usw.) kann man soviel essen wie man mag, man nimmt davon nicht zu (= Null-Kalorien-Lebensmittel)." "Nach 18 Uhr essen macht dick." "Abends eiweißreich essen macht schlank." Durch die einseitige, mangelhafte Ernährung, die Einnahme von Abführmitteln usw. entstehen Mangelerscheinungen. Grundlagenwissen über gesunde Ernährung hilft, die eigenen Vorstellungen zu überdenken und Mängel auszugleichen.

3.2. Schwarze Liste

Erstellen einer "schwarzen Liste" von Lebensmitteln (z.B. Butter und andere Fette, Fleisch, Brot, Schokolade und andere Süßigkeiten usw.), die sich die Patienten verbieten. Schrittweise Integration dieser Lebensmittel in den Speiseplan unter Vereinbarung konkreter Mengenangaben (regelmäßig und in normalen Mengen). Hilfsmittel: Flexible Kontrolle.

3.3. Essverhalten

Um Essanfälle zu reduzieren oder zu vermeiden, wird der Zusammenhang zwischen Gefühlen, Essanfällen und dem Essverhalten thematisiert. Häufig sind Emotionen wie Angst, Unsicherheit, Stress, mangelndes Selbstvertrauen, Unfähigkeit zur Abgrenzung oder aber auch freudige Erregung ein Auslöser für kontrolliertes oder unkontrolliertes Essen. Die Gefühle  werden als Vorläufer des ungünstigen Essverhaltens thematisiert und mit einer Zusatzspalte für Gefühle im Ernährungsprotokoll bewusst gemacht. Auch auslösende Lebensmittel (z.B. Bestandteile der "schwarzen Liste") und Essmengen vor einem Essanfall werden anhand der Ernährungs­tagebücher deutlich. Grundlage für ein Leben ohne Essanfälle und Purging-Verhalten sind wiederum eine geregelte Mahlzeitenstruktur, die Normalisierung des Gewichts und die Integration verbotener Lebensmittel.

3.4. Genusstraining

Da Essstörungen häufig mit Askese verbunden sind und die Patienten sich viele Lebensmittel verbieten, leiden die Genuss- und Lustfähigkeit. Das bewusste Genießen einzelner Nahrungsmittel wird trainiert.

3.5. Flexibilität und Eigenverantwortung im Essverhalten

Um nach dem stationären Aufenthalt allein zu recht zu kommen, müssen Sie lernen, "normal" zu essen. Nach Hunger und Sättigung zu essen, Ihr Essverhalten zunehmend flexibler zu gestalten und dafür wieder Eigenverantwortung zu übernehmen, ist eine große Herausforderung. Hilfsmittel zur Motivationssteigerung: Flexible Kontrolle.

3.6. Umgang mit Ängsten

Hinterfragen von Ängsten, und damit verbundene Hilfe, unangenehme Gefühle oder körperliche Beschwerden (z.B. Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen usw.) auszuhalten oder zu erleichtern. Kontrolle der Compliance und Förderung der Motivation.

4.   Therapeutische Ess- und Einkaufsbegleitung

Die Ess- und Einkaufsbegleitung hat Vorbildcharakter wenn es um normale Portionsgrößen, Essen nach Hunger und Sättigung und Essen als Genussmittel geht. All dies sind Werte, die erst wieder erlernt werden müssen. In der anschließenden Besprechung werden Probleme mit der Esssituation, den Essmengen und Essen als Auslöser von Essproblemen thematisiert.

5.    Therapeutische Kochgruppen

Praktische Umsetzung der Inhalte der Ernährungsberatung

6.    Dokumentationsmappe mit individuellen Unterlagen

Zu Beginn der Beratung erhalten Sie eine Mappe, in der Sie alle persönlichen Unterlagen sammeln, die Sie im Laufe der Betreuung bekommen. Zum Wiederauffrischen und Zuhause Nachlesen.

7.    Online-Betreuung 

Regelmäßige Veröffentlichung aktueller Ernährungsthemen, -fragen und "Ernährungsmythen". Nachbetreuung der Patienten einzeln oder in Kleingruppen.

Noch unsicher wie es weitergehen soll oder ob wirklich eine Essstörung vorliegt? Ich habe jahrelange Erfahrungen mit Essstörungen und helfe Ihnen gerne


Dr. Barbara Erber